Assemblage 23 - Null | Album Review

Tom Shears stärkstes Statement seit Jahren?

Mit Null veröffentlicht Assemblage 23 das 10. Studioalbum und beweist eindrucksvoll, warum Tom Shear seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Futurepop-, Synthpop- und EBM-Szene gehört. Fünf Jahre nach dem beliebten Vorgänger Mourn kehrt der US-Amerikaner mit einem Werk zurück, das gleichzeitig vertraut und überraschend modern wirkt. Statt auf Revolution setzt Null auf Perfektionierung – und genau darin liegt die größte Stärke des Albums.

Die Band

Seit den frühen Klassikern wie Failure, Defiance oder Storm steht Assemblage 23 für eine einzigartige Mischung aus emotionalem Songwriting, eingängigen Melodien und treibenden elektronischen Beats. Tom Shear hat dabei bewiesen, dass elektronische Musik nicht kalt oder distanziert sein muss. Seine Songs handeln von Verlust, Hoffnung, Wut und Verletzlichkeit und transportieren dabei eine Intensität, die im Futurepop nur wenige Künstler erreichen.

Songanalyse

Bereits der Opener Believe zeigt die Richtung des Albums. Kristallklare Synthesizer treffen auf druckvolle Beats und eine Produktion, die moderner kaum klingen könnte, ohne die DNA von Assemblage 23 zu verlieren.

Mit Lunatics folgt einer der härtesten Songs des Albums. Aggressivere EBM-Rhythmen, verzerrte Vocals und ein eindringlicher Refrain sorgen für Tanzbarkeit. Gleichzeitig bleibt der Song emotional und vermeidet die oft sterile Härte vieler aktueller Electro-Produktionen. 

Gone und Fuel gehören zu den melodischsten Momenten des Albums. Hier zeigt sich Tom Shears außergewöhnliches Gespür für Songstrukturen. Gerade Fuel besitzt jene Mischung aus Melancholie und Energie, die Assemblage 23 auszeichnet.

Der vielleicht wichtigste Song auf Null ist Tolerate. Inhaltlich setzt sich Tom Shear mit Intoleranz, gesellschaftlicher Spaltung und dem Verlust von Freundschaften auseinander. Ohne plakative Parolen formuliert er seine Botschaft mit bemerkenswerter Klarheit. Die Kombination aus emotionalem Gesang und eingängigem Refrain macht den Titel zu einem tanzbaren Track mit Gänsehaut-Moment.

Mit NormalLast und The Line bewegt sich das Album im etwas ruhigeren Bereich. Die Songs schaffen Raum zum Atmen und sorgen dafür, dass die Platte trotz ihrer Electro-Ausrichtung abwechslungsreich bleibt. Dabei ist Last der Song mit schnellerem, aufgeregten Rhythmus.

Kurz vor Schluss liefert Overthrow noch einmal einen kraftvollen Höhepunkt. Der Track erinnert in seiner Energie an ältere Assemblage 23 Veröffentlichungen. Der Song wirkt als direkter Rückgriff auf die klassischen EBM-Wurzeln des Projekts. 

Den Abschluss bildet Waited, eine überraschend hoffnungsvolle Komposition, die das Album auf einer emotionalen Note ausklingen lässt. Nach den teilweise düsteren Themen wirkt dieser Schluss fast wie ein Lichtstrahl am Ende einer langen Nacht.

Fazit

Mit Null gelingt Tom Shear etwas, das nur wenigen Künstlern nach über 3 Jahrzehnten Karriere gelingt: Er klingt nach sich selbst und gleichzeitig zeitgemäß. Das Album bietet starke Melodien, intelligente Texte, hervorragende Produktionen und genug Energie für die Tanzfläche.

Für viele Fans dürfte das Album zu den stärksten Veröffentlichungen von Assemblage 23 seit Jahren zählen. 

Bewertung 9/10

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Aktualisiert am 08 June 2026

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